Maximilian Heisler nimmt Abschied von ‚seiner‘ Schule St. Matthias

St. Matthias ist eine kleine Schule – und folgerichtig wird eine Verabschiedung eines “alten” Lehrers auch ganz groß begangen. So ging es anlässlich des Matthias-Patroziniums 2019 am 26. Februar auch Maximilian Heisler, der fast 36 Jahre Lehrer für Deutsch und Katholische Religionslehre war und nun in den literarisch-künstlerischen Ruhestand wechselt.

Obwohl nicht mehr im Dienst, hielt er in der Hauskirche noch einmal eine ganz besondere Vertretungs-Stunde und sprengte damit den minutiösen Zeitplan der Organisatorin und Religionspädagogischen Leiterin Sabrina Niehenke. „Gute Lehrer sind die, die ihren Schülern auch aus ihrem Leben erzählen.“ Und das tat Max Heisler oft: Sein Unterricht war nie spröde, trocken, langweilig. Egal ob er literarische Gestalten beleuchtete (unvergesslich, wenn er den Hofmarschall von Kalb aus Schillers ‚Kabale und Liebe‘ parodierte) oder biblische Ereignisse, immer hauchte er dem Geschehen Leben ein, immer spielte er ein wenig Theater. Wenn ihm eine Gestalt so richtig nahe kam (abgesehen natürlich von Don Carlos oder Maximilian Schell), dann ist es Lessings Nathan, der Sultan Saladin fragt, ob sich denn nicht alles auf Geschichte gründe. Und natürlich Jesus Christus, „der war der größte Erzähler, den ich kenne“.

Für Heisler, der im Sommer 1983 als ganz junger Mann nach Waldram kam und wie so viele andere hier auch hängen blieb, war die menschliche, wohlwollende Atmosphäre dieser katholischen Schule des Zweiten Bildungsweges ganz entscheidend. Er gedachte zahlreicher ehemaliger Kolleginnen und Kollegen, einige schon verstorben, und dankte im Besonderen seinem Kollegen, seinem Alter Ego Simon Fritz, der in einem Jahr ins Rentnerleben startet: „Wir gingen unzählige Male ins Edeka-Café auf eine Abstands-Tasse, denn man braucht immer ein wenig Abstand zur Schule, als ich noch rauchte eine Zigarettenlänge Abstand“, philosophierte er hintersinnig. Bei diesen Abstands-Messen entstanden dann auch Ideen für Projekte, für Unterrichtsstunden, aber auch für die vielen Kreuzwege vor Ostern: „Wir ließen die Ideen sprühen, gingen zurück in die Schule, und der Hartl (Leonhard Hohenadl, einer der beiden Haustechniker) erstellte eine Machbarkeitsstudie.“ Aber nicht nur das, der Hartl schreinerte, schraubte, nagelte und zimmerte unermüdlich große Kreuze, aber auch Bühnenbilder. Darum ernannte Heisler den Hartl ganz zum Schluss („ich glaube, ich habe dafür überhaupt keine Prokura“) zum Ehrenmitglied der Fachschaft Katholische Religionslehre. Und er schenkte ihm ein doppelseitiges Heisler-Gemälde, vorne Schöpfung mit Gebirge, hinten Strand mit Bikini-Mädchen, gleichsam andere Gebirge.

 So war diese wirklich lange Rede, die alle Rahmen sprengte, eine vergnügliche Reise durch ein langes, spannendes Lehrer-Leben. „Ich erlebte zahlreiche Seminardirektoren und Schulleiter, sie hatten es nicht immer leicht mit mir, aber auch ich nicht mit ihnen“ – man denke nur an Korrekturfristen, Ablage und Verwaltungsvorschriften. Und er dankte der jetzigen Betriebsleiterin Edith Birner: „Wie oft wäre ich verloren gewesen, hättest du mich nicht gerettet“, bekannte er freimütig. Von der Stiftung erhielt er zum Abschied einen ‚echten Heisler‘: Er malte das alte Seminar für das Titelbild der Festschrift 1997 – und darf es für immer behalten.

Nun ist er frei, kann zurückdenken an seine Schüler, an Kollegen, aber kann vor allem ohne Druck und ohne Rotstift lesen, zeichnen, malen, Ab sofort ist es leicht, ein Heisler zu sein!

Dieter Klug

Presse-Echo